Schulpartnerschaft FES – Kigeme B (Ruanda)

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„Wer Ruanda einmal bereist hat, wird als ein anderer Mensch dieses Land verlassen. Ein Stück „Ruanda“ begleitet einen fortan im Herzen und erinnert an die Freundlichkeit der Menschen, aber auch an die täglich neuen Herausforderungen, die es zu bewältigen gibt.“. Dies ist das Fazit von Klaus Schumacher, Lehrer und stellvertretender Konrektor an der FES, der in den Sommerferien 3 Wochen freiwillige Arbeit in der Schule Kigeme B in Ruanda geleistet hat. Dort kam ihm schnell die Idee, eine Schulpartnerschaft zwischen beiden Schulen aufzubauen, da dies für alle Beteiligten eine große Bereicherung sein kann und vielfältige Chancen für die Entwicklung wichtiger sozialer Kompetenzen bietet.

Warum möchten wir eine Schulpartnerschaft:

Die Offenheit, Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen vor Ort, trotz der riesigen Herausforderungen und der Armut im Land, sind sehr bewegend und können zu einer ganz anderen Sicht auf Menschen in einer fernen (und manchmal auch fremden) Welt führen. Dies ist ein absolut wichtiges Soziales Lernziel und passt hervorragend in das Profil unserer Schule als eine Schwerpunktschule im Bereich Inklusion und als „Schule gegen Rassismus und mit Courage“.

Durch die Partnerschaft können unsere Schülerinnen und Schüler über den persönlichen Kontakt erfahren, dass die Welt größer ist als nur Hürth oder Deutschland. So kann ein Bewusstsein geschaffen werden, dass es in anderen Bereichen der Welt Kinder mit völlig anderen Lebensbedingungen und Chancen im Leben gibt. Über den persönlichen Kontakt oder durch einen Einblick in eine andere Schule wird vermittelt, dass soziales Handeln eine bessere Welt schafft, im Kleinen wie im Großen.

Der Weg zur Partnerschaft:

In der Lehrerkonferenz im Oktober 2019 wurde von Klaus Schumacher mit Fotos und Hintergründen der Startschuss gegeben. Es bildete sich eine Projektgruppe von 10 Lehrerinnen und Lehrern hat sich gebildet.


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(im Bild von links nach rechts: H. Schumacher, Fr. Franzky, Fr. Schneider, Fr. Kaczun, Fr. Koriller, Fr. Pretorius, H. Bastert, Fr. Lukaschewski-Weigand, es fehlen Fr. Bosbach, Fr. von Rappard)

In den Klassen dieser Lehrerinnen und Lehrer werden unterschiedliche Aktionen wie Briefpartnerschaften, Materialspenden, Verkaufsaktionen, Videobotschaften und thematische Aufarbeitungen über das Land Ruanda aus unterschiedlichen fachlichen Blickpunkten durchgeführt. Zudem wird in allen Klassen die Fotodokumentation über die Schule Kigeme B gezeigt, um einen tiefen Einblick zu vermitteln. Dies wird unterstützt durch die Schülerinnen aus dem Team Schule ohne Rassismus, die die Klassen informieren und bei den zukünftigen Aktionen unterstützen werden. Auch sind die Schülerinnen als Videobotschafterinnen in der Schule unterwegs, damit die Kinder in Ruanda auch unsere „Welt“ kennen lernen. Für den Tag der offenen Tür am 16.11.2019 plant eine Klasse eine Präsentation und den Verkauf von Speisen. Der Erlös wird nach Kigeme gespendet. So wird sich im Laufe des Schuljahres dieses Projekt mit Leben und Inhalt füllen.

Ruanda? Was muss ich wissen?

Ruanda ist das Land der 1000 Hügel, der 1000 Probleme und der 1000 Lösungen und dadurch ein Land mit vielen Widersprüchen. Es ist ein Land des Lachens, der Freundschaft und der Bereitschaft, auch das Wenige miteinander zu teilen. Aber Ruanda ist auch ein Land unvorstellbarer Armut, unbegreifbaren Elends und der bitteren Erkenntnis, dass tausende Kinder hier keine sorgenfreie Kindheit leben können. Umso erstaunlicher ist es, dass die Menschen und darunter ganz besonders die Kinder, dennoch mit Lebensfreude und Frohsinn ihren wirklich nicht einfachen Alltag meistern. Ruanda hat schlimme Zeiten durch Bürgerkrieg und Genozid hinter sich und ist trotzdem sehr friedlich und freundlich und in der Lage, Hunderttausenden von Flüchtlingen eine sichere Bleibe zu geben.

Über die Schule:

Die Schule Groupe Scolaire Kigeme B ist eine öffentliche Schule, die 1931 von der anglikanischen Kirche gegründet wurde. Seit 2009 ist es eine allgemeinbildende Schule mit 9 Jahren Schulzeit und vorher 3 Jahren Vorschule/Kindergarten. Der Kindergarten umfasst 1437 Kindern im Alter von 3-6 Jahren und wird im Zweischichtbetrieb unterrichtet. In der 6 jährigen Grundschule werden 3327 Kinder in 42 Klassenräumen unterrichtet. In den letzten 3 Jahren der weiterführenden Schule werden 1484 Kinder in 28 Klassenräumen unterrichtet. Somit kommen fast 7000 Kinder täglich zur Schule und werden auch mit Essen versorgt. Diese Schule ist deshalb so groß, weil um die Schule herum ein riesiges Flüchtlingslager mit über 22.000 Menschen ist, die aus dem Nachbarland Demokratische Republik Kongo fliehen mussten. Da sich die Schulleitung zum Ziel gesetzt, hat allen Kindern so viel Bildung wie möglich zukommen zu lassen, wuchs die Schülerzahl in den letzten Jahren auf das 6-fache ihrer ursprünglichen Größe. 80% der Schülerinnen und Schüler sind Flüchtlinge leben in ärmlichsten Verhältnissen im Lager neben der Schule. Diese Integration von so vielen Kindern ist eine riesige Herausforderung und Unterstützung in jeder Form wird in der Schule dringend benötigt. Obwohl die Menschen dort sehr arm sind und sich teilweise am Existenzminimum bewegen, sind gerade die Kinder so fröhlich, freundlich und neugierig, dass es jeden tief im Herzen berührt. Es gibt keinen Streit und Neid, es wird gemeinsam viel gelacht und gesungen und getanzt und natürlich zusammen gelernt. Dabei liegt die Klassenstärke zwischen 48 und 60 Kindern in einem Raum von ca. 40 qm. Schulbücher, Arbeitshefte und sonstige Ausstattung gibt überhaupt nicht, jedes Kind hat einen Kugelschreiber und ein DIN A 5 Heft, das ist alles. Schulkleidung für umgerechnet 3,50€ oder Schuhe für 1,50€ sind für viele Familien nicht zu bezahlen. Auch die Ausstattung der Schule ist praktisch nicht vorhanden, Lehrerinnen und Lehrer haben Kreide und sonst nichts. Trotzdem ist das Leistungsniveau sehr hoch, teilweise mehr als 1 Jahr weiter als bei uns.
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Fazit:

Vorurteile abbauen und Hemmungen überwinden, den Horizont erweitern, das eigene Leben auch einmal anders betrachten, dies alles ist möglich durch diese Partnerschaft. Dies sind wichtige Lernziele unserer Schule.

 

 

In der Zwischenzeit haben alle Klassen den Vortrag über die Partnerschaft und die Schule in Ruanda besucht und die Reaktionen waren sehr bewegend. Die Kinder sitzen 45 Minuten absolut ruhig und konzentriert und hören zu, stellen Fragen und haben tolle Ideen für Sachspenden. Ganz viele sind sehr betroffen von den armen Verhältnissen in der Schule und dem Flüchtlingslager und wollen etwas zur Unterstützung der Kinder in Ruanda beitragen.

 

In allen Klassen stehen jetzt die Spendenboxen bereit und nach und nach füllen diese sich mit Stiften, Linealen, Kuscheltieren, kleinem Spielzeug und auch kleinen Musikinstrumenten. In den nächsten zwei Wochen werden wir weiter sammeln und dann nach Weihnachten ein großes Paket nach Kigeme senden. Die Kinder und Lehrerinnen und Lehrer werden sich riesig freuen!

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Am 10.12.2019 wird ein Treffen mit den 10 Lehrerinnen und Lehrern des Projekts Schulpartnerschaft und Herrn Elf von der evangelischen Mission in Wuppertal stattfinden. Herr Elf ist verantwortlich für Partnerschaften und wird das Team konkret beraten, wie wir unsere Partnerschaft noch weiter ausbauen und intensivieren können und auch evtl. Fördermöglichkeiten für Schulbesuche erläutern. Wir vom Partnerschaftsteam haben schon Fragen und Ideen notiert und freuen uns sehr auf die Erfahrungen von einem „Fachmann“. Es bleibt spannend, wie wir diese Partnerschaft weiter mit Leben füllen können.

 

Klaus Schumacher (5.12.2019)